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  • AutorenbildKatharina Leitgeb

BELTANE

Aktualisiert: 25. Apr.




Auch wenn draußen die Temperaturen gerade wieder einstellig sind, ist in den Tagen und Wochen davor ist die Natur regelrecht explosiv emporgeschossen. Gelbe Forsythien, pinke Magnolien, zartweiß und rosa blühende Obstbäume, intensiv duftende Maiglöckchen,  lila Flieder, eingebettet in (mindestens) 50 Shades of Green… ein Feuerwerk an Farben und Düften, untermalt von den lockenden Balzgesängen der Vögel.


Rundherum strotzt alles nur so vor Fruchtbarkeit, und da sind wir auch schon mitten in der Energie von Beltane, nach Ostara (der Frühlings- Tag und Nachtgleiche)dem zweiten Frühlingsfest im Jahreskreis.



Allzu viel Genaues wissen wir ja über die keltischen Feste nicht, ihre Wurzeln liegen im Dunkel der Vergangenheit, lange bevor es in unseren Breiten schriftliche Aufzeichnungen gab.

Was als gesichert angenommen wird ist, dass Beltane zu den Mondfesten gehört und zu ersten Mai-Vollmond gefeiert wurde, wobei sich heute in den neuheidnischen Traditionen der 1. Mai (bzw. der 30.4. für die Walpurgisnacht – dazu komme ich später).



BELTANE gilt als eines der wichtigsten Feste des Jahreskreises, in welchem es genau gegenüber von SAMHAIN (Allerheiligen) liegt. Hier haben wir also die beiden Kardinalpunkte – Fruchtbarkeit und Tod- um die herum sich unser ganzes Leben ausbreitet.

Samhain, der Beginn des Winters, ist  ein Fest des Todes und der Toten und Ahnen, und auf der anderen Seite liegt Beltane, der Sommerbeginn,  das Fest des Lebens, der Fruchtbarkeit  und des Sieges der Sonne und des Sommers über den Winter.

Und auch wie in den Tagen um Samhain öffnen sich um Beltane die Tore zur Anderswelt, sind die Nebel dünn und durchlässig.


Doch während es zu Samhain darum geht, Abschied zu nehmen, geht es bei Beltane darum, etwas zu begrüßen, zu empfangen. Dabei sind wir durch die lichten Schleier hindurch intensiver als sonst mit der Anderswelt und dem großen Ganzen verbunden. Es geht um Fruchtbarkeit und Vereinigung, und die vorherrschenden Beltane- Energien können eine schöne Gelegenheit sein, einmal den kritischen, zensurierenden Verstand außen vor zu lassen und die Seele die Führung übernehmen zu lassen – sich auch einmal „ver-rücken“ zulassen von dem Standpunkt, auf dem man sonst fest steht.


Und damit ist nicht nur die Vereinigung  auf erotischer Ebene gemeint, sondern auch die Vereinigung mit dem Göttlichen, der höchsten schöpferischen Gestalt des gesamten Universums. Der Mensch hat die Aufgabe, diese göttliche Bewusstseinskraft auf die Erde zu holen und zu verwirklichen, und somit geht es unbedingt auch um Fruchtbarkeit im Sinne von Schöpferkraft, Kreativität und Inspiration.


Der Name Beltane leitet sich übrigens vom irisch- gälischen „BEL“ für strahlend, leuchtend ab; TENE oder TEINE ist das Feuer. Die keltisch- gallische Göttin des Lichtes und Feuers ist BELENA; ihr Gefährte BELENUS der Gott des (Sonnen-)Lichtes.

Die beiden Gottheiten feiern zu Beltane ihre heilige Vereinigung, eingebettet in den sinnlichen  Farb- und Blütenrausch der Natur.


Auch die Menschen werden von der unbändigen Lebenskraft, die die Natur durchströmt, berührt, das spüren wir sehr wohl auch heute noch. Nicht umsonst hat der Mai auch den Beinamen „Wonnemonat“, wobei der Ursprung des Wortes eigentlich vom althochdeutschen „wunnimanot“ = Weidemonat stammt, was  darauf hinweist, dass man in diesem Monat das Vieh wieder auf die Weide treiben konnte.



Viele unserer heutigen Maibräuche zeigen die ursprüngliche Bedeutung des Festes ganz deutlich, wie z.B. der Maibaum: Auch bei uns im Dorf holt die Landjugend jedes Jahr eine Birke oder Fichte aus dem Wald, schält sie und rammt den Pfahl (Phallus) in die fruchtbare Erde.

Die Pfahlspitze durchdringt einen Kranz aus frischem Grün und Blumen. Und auch heute noch tanzen die Menschen um den Baum, trinken berauschende Gebräue (weniger die traditionelle Waldmeister-Bowle, sondern mehr Bier und Wein) und feiern ausgelassen. Der traditionelle Bändertanz  um den Maibaum stellt sowohl ein erotisches Geschehen unter den Geschlechtern dar als auch die Verknüpfung der drei Welten Himmel, Erde und Anderswelt, die durch den Maibaum auch symbolisiert werden.


Auch die Mai – Feuer haben eine bis in vorchristliche Zeit zurückreichende Tradition. Das Feuer steht als Symbol für die Sonne, für das Lebensfeuer und für Neubeginn. Traditionell werden zu Beltane alle Herdfeuer gelöscht und rituell aus neun Hölzern ein neues entzündet: Birke, Eberesche, Esche, Erle, Weide, Weißdorn, Eiche, Stechpalme und Haselnuss. Die Hölzer für das Feuer mussten vom Boden aufgelesen und nicht vom Baum oder Busch abgebrochen werden. Sie sollten Haus, Vieh und Menschen schützen. Die Glut des Beltane- Feuers wird dann nach Hause getragen und der Herd damit neu entzündet. Die Asche wird auf den Feldern verstreut, um diese zu segnen und um Fruchtbarkeit zu bitten.


Und wer Marion Zimmer- Bradleys „Die Nebel von Avalon“ gelesen hat kennt die Stelle, wo der junge König zu Beltane seine Kraft und Stärke beweisen muss, indem er den mächtigsten Hirsch im Wald erlegt und sich danach mit der höchsten Priesterin vereinigt…


So viel ekstatische Sinnenfreude war den keuschen katholischen Kirchenmännern natürlich ein gewaltiger Dorn im Auge, und so mussten die alten Bräuche und Rituale ausgemerzt werden. Und während alle anderen Feste der alten Religion vom Christentum übernommen und in ihrem Sinne umgedeutet wurden, ist das bei Beltane als einziges nicht geschehen…


Hier beginnt leider ein sehr dunkles Kapitel in der Geschichte- die Auslöschung von naturheilerischem, selbstbestimmtem , freiem weiblichen Wissen durch die Hexenverfolgung. Mehr dazu in meinem Artikel über die Walpurgisnacht www.katharinaleitgeb.at/post/walpurgisnacht

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