• Katharina Leitgeb

Barbaratag - 2. Sperrnacht

Die heilige Barbara wird heute zum Anlass genommen, um Kirschzweige zu schneiden, die uns zu Weihnachten mit ihren Blüten erfreuen sollen.

Hintergrund ist die Legende von Barbara, die um 300 n. Chr. gelebt haben soll. Ihr Ursprung liegt – wie eigentlich bei allen katholischen weiblichen Heiligenfiguren – bei einer alten Göttin: Borbeth. Als eine der „drei Bethen“ ist Borbeth die keltisch-alpenländische Göttin des Heilens und der Geborgenheit. Die „drei Bethen“ sind Schicksalsgöttinnen. Während die anderen beiden (Katharina/ Wilbeth und Margaretha/ Ambeth), für das Spinnen und Wirken des Lebensfadens zuständig sind, so schneidet Borbeth diesen am Ende des Lebens wieder ab. Ihr Symbol ist der Turm als Zugang zur Anderswelt. Im Zuge der Christianisierung, die die alten Muttergottheiten und deren Verehrung ja nicht einfach ausradieren konnte, wurden sie zu „Heiligen“ umgewandelt. Man erfand eine schreckliche Folter-Märtyrerinnen-Legende, und schon wurde aus der Göttin Borbeth die christliche Barbara: Der Vater soll seine bildschöne, junge Tochter aus Eifersucht in einen Turm (das Symbol Borbeths!) eingeschlossen haben, um sie am Heiraten zu hindern, doch während er auf Reisen war, ließ die aufmüpfige Barbara sich taufen. Johannes der Täufer sei ihr persönlich erschienen und habe sie getauft, besagt die Legende. Der erboste Vater lieferte Barbara dem römischen Statthalter Marcianus aus, der sie geißeln ließ, sie aber nicht zur Entsagung ihres Glaubens bewegen konnte. Der erbitterte Statthalter ließ Barbara daraufhin mit Keulen schlagen, ihr die Brüste abschneiden(!) und vor Gericht stellen.

Puh. Was für eine Story. Ach so, der Kirschzweig: In der Zelle habe die zum Tod verurteilte Barbara einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt, der Zweig begann zu blühen und spendet ihr Trost in den letzten Tagen ihres Lebens. Daher also der Brauch, auch ein übertragenes Symbol für die zyklische Wiederkehr allen Lebens.

Übrigens: Nicht einmal die Kirche selbst glaubt diese schaurige Geschichte, denn im Jahr 1969 wurde Barbara aus der offiziellen Liste der römisch-katholischen Heiligen, dem Calendarium Romanum, wieder gestrichen.

Die heutige Nacht gilt wieder als eine der Sperrnächte im Sinne der Vorbereitung auf die Rauhnächte. Was gilt es, abzuschließen, „wegzusperren“, damit das zu Ende gehende Jahr gut abgeschlossen werden kann?

Nimm dir heute Zeit, um dich intensiv mit dem, was zu Ende gehen darf, zu beschäftigen.

Ich wünsche euch einen schönen Barbara- Tag, und viel Erfolg beim Versuch, die Zweigerl zum Blühen zu bringen!