• Katharina Leitgeb

FrauenPower

Samstag Abend im lauschigen Gastgarten. An einem der Tische eine Runde gut gelaunter Frauen um die Vierzig. Die Damen haben eine Flasche Weißwein auf dem Tisch stehen, genießen das Essen und unterhalten sich prächtig. Immer wieder steigern sich Tonhöhe und Intensität bis zu einem Höhepunkt, an dem sich alles in lautstarkem Gelächter entlädt.


Ich beobachte die Reaktionen der anderen Gäste.

Manche lächeln amüsiert, andere schütteln pikiert den Kopf, verdrehen genervt die Augen oder ziehen die Stirn in Falten. Das offensichtliche Zur- Schau- Stellen weiblicher Lebensfreude kommt bei etlichen nicht so gut an- wenig überraschend sind es meist andere Frauen, die das Gesicht verziehen.


Ich spüre die kraftvolle Energie, die diesen Tisch voller Frauen zum Mittelpunkt werden lässt. Lippen öffnen sich, Zähne blitzen. Haare werden geworfen, weiche Bäuche wackeln und Brüste beben. Die Oberschenkel sind geöffnet, Handflächen schlagen auf die Tischplatte. Ein lautes Aufstöhnen, fast Schreien – „Jaaaaa!“ prusten, grunzen, juchzen. Körpersäfte fließen – Schweiß, Lachtränen, Spucke. Ein durch und durch ekstatisches, sinnliches Geschehen.


Dass sich dadurch einige brüskiert fühlen, ist nicht verwunderlich.

Frauen, die ihre Power und Lust am Leben so offensichtlich zur Schau stellen, und denen es dabei vollkommen egal ist, was die anderen davon halten, sind unheimlich. Gefährlich. Unkontrollierbar.


Und sie erinnern unter Umständen daran, wie wenig von dieser Unbändigkeit man sich selbst zugesteht - hast du schon mal versucht, mit zusammengekniffenem Anus zu lachen?;)



Mein alter Religionslehrer im Gymnasium sagte immer: „Mädchen die pfeifen und Hähnen die krähen, sollte man besser den Hals umdrehen“. Darauf pfeif‘ ich schon lange.

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