• Katharina Leitgeb

Mee too - you too?

Ich erinnere mich noch gut an meinen ehemaligen Zahnarzt. Immer, wenn ich den Mund bereits weit offen und voller Geräte hatte, begann er, mir sexistische Witze zu erzählen.

Oder mein Vorgesetzter bei einem meiner ersten Jobs als junge Studentin, der als ich über den Tisch gebeugt dastand, lächelnd meinte , ich sei ja schon empfangsbereit. Hände um die Taille. Hände im Nacken. Und immer wieder zweideutige Bemerkungen, Anspielungen, Blicke.

Damals war ich noch jung und glaubte irgendwie, mich geschmeichelt fühlen zu müssen, dass Männer so auf mich reagieren. Ich lachte über die Witze, ließ mir die Berührungen gefallen, nur um nicht als zickig rüberzukommen. Und tat so, als würde mir das nichts ausmachen, als wäre ich so cool, über dem allen zu stehen, als würde ich das Spiel einfach mitspielen. Wir sind doch erwachsen. Was ist da schon dabei.

Männer sind eben so, das darf man nicht so eng sehen. Während ich das jetzt schreibe, merke ich, dass meine Hände zu zittern beginnen und sich in meinem Magen eine unglaubliche Wut zusammenbraut.

NEIN, das ist nicht in Ordnung. NEIN, so will keine Frau behandelt werden. NEIN, NIEMALS sollen meine Töchter solche Erfahrungen machen müssen!!! NEIN, kein Mann ist „SO“!


Und wisst Ihr was: Da lese ich in der Sonntags- Ausgabe der größten österreichischen Tageszeitung in fetten Lettern: „Der Mann in der Krise. Verunsichert durch die globale #MeToo Debatte, traut sich das männliche Geschlecht nicht mehr, mit einer Frau alleine zu sein.“ (Kronen Zeitung, 08.09.2019, S. 21)

Im Text wird dann erläutert, dass Männer sich nicht mehr trauen, mit Frauen auf Dienstreise, zu einem Geschäftsessen oder einem abendlichen Event zu gehen. Nicht einmal eng zusammenarbeiten wollen sie angeblich mehr mit Frauen. Wörtlich: „Weiters belegt die Studie, dass Männer besonders von schönen Frauen eingeschüchtert werden.“


Also, wer ist jetzt wieder schuld an dem allen: wir Frauen. Was müssen wir auch so zickig sein, und uns wegen dem bissl Antatschen so aufführen. Die armen Männer wissen ja gar nicht mehr, wie sie mit uns umgehen sollen.

Ätschbätsch, dann werden die Frauen halt ausgegrenzt, das haben sie jetzt davon. Hätten sie still gehalten, wären sie still geblieben.


Mich macht das gerade sehr, sehr wütend. Wie lange müssen wir noch warten, wann hört dieser Kampf endlich auf?


Was mir sehr wichtig ist: ich liebe, achte und ehre das Männliche.

Und ich kenne viele Männer, die das Weibliche lieben, achten und ehren. Dennoch gilt es noch sehr viel Bewusstsein zu schaffen, dass die Beziehung zwischen den Geschlechtern frei von Machtstrukturen wird.

Für uns, für unsere Töchter und Söhne.

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