• Katharina Leitgeb

Perfekt

Das perfekte Weihnachtmenü. Das perfekte Weihnachts- Make up. Das perfekte Geschenk für die Liebsten. Die perfekten Vanillekipferl. Das perfekte Outfit für die Weihnachtsfeier.


Kaum eine Zeit im Jahr ist so dazu geeignet, um unser STREBEN NACH PERFEKTION auf die Spitze zu treiben. Wir schrauben unsere Ansprüche in schwindelerregende Höhen, um Vorstellungen zu genügen, die wir uns aus verschiedensten Bildern selbst zusammengezimmert haben. Dann versuchen wir mit aller Gewalt, alle glücklich zu machen, um das „perfekte“ Weihnachten abzuliefern.


„ICH HABE HALT HOHE ANSPRÜCHE AN MICH“, heißt es dann fast entschuldigend, wenn nächtelang gebacken und tagelang geputzt wird. Genau, es sind die EIGENEN Ansprüche, die dafür ausschlaggebend sind, dass viele Frauen von sich immer mehr verlangen.

Um als starke, tüchtige Frau zu gelten, braucht es heutzutage offenbar eine regelrechte INNERE HÄRTE UND STRENGE, um erfolgreich den Spagat zwischen Familie, Beruf, Selbstverwirklichung, Fitness und Weiterbildung hinzukriegen. Meistens sind es die BRAVEN TÖCHTER, die gelernt haben, sich mit Leistung Zuwendung zu erarbeiten und die es im Grunde immer noch Papa und/oder Mama recht machen wollen.


Das ganze hat nur einen Haken: es ist nie genug. WEIL NÄMLICH NIEMAND STÄNDIG IN ALLEN LEBENSBEREICHEN PERFEKT SEIN KANN. Und das macht sehr schnell sehr unzufrieden.


DU SITZT IN DER PERFEKTIONSFALLE, WENN DU:


- dich häufig selbst unter Druck setzt und dich dabei gestresst fühlst

- selbstkritisch bist und dich für „Fehler“ streng verurteilst

- deine Erfolge nicht siehst oder herunterspielst

- alles planen und kontrollieren willst, um Fehler oder Unvorhergesehenes zu vermeiden

- über vermeintliche Misserfolge lange nachgrübelst

- Angst hast, dass du nicht mehr geliebt/ geachtet wirst, wenn du nicht „gut genug“ bist

- mit einer durchschnittlichen Leistung von dir unzufrieden bist


Wiedererkannt? Willkommen im Club.


Wie aber kommst du aus dieser Falle raus? Erstmal indem du dir klar machst, dass du dir in den wirklich allermeisten Fällen den Druck ganz allein machst.

Frag dich selbst: WORUM GEHT ES HIER WIRKLICH? Um Leben und Tod? Wird es in einem Jahr noch wichtig sein? Würde in dieser Situation auch ein „GUT GENUG“ reichen?


Was passiert, wenn die Brösel von vorgestern noch unter dem Esstisch liegen, wenn Besuch kommt? Wenn im Kindergarten gekaufte Kekse statt selbst gebackener abgegeben werden? Wenn statt 5gängigem Weihnachtsmenü heuer kalte Platte serviert wird, aber sich dafür vor der Bescherung ein Ausflug in den Winterwald ausgeht?


Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch hohe Ansprüche an mich hätte. Beispielsweise könnte ich jetzt noch Stunden an diesem Artikel feilen, ein Wort hier ändern, eine Formulierung da, es ginge sicher noch besser. Nur: dann würde ich irgendwann mit brennenden Augen und verspanntem Nacken um zwei Uhr morgens ins Bett fallen.


In einem Buch von Anselm Grün habe ich den schönen Satz gelesen: „Es liegt immer in meiner Entscheidung, ob ich glücklich bin. Und dazu gehört letztlich auch ein Stück Demut, DIE BEREITSCHAFT, SICH MIT MEINER BEGRENZTHEIT AUSZUSÖHNEN.“


Das finde ich sehr schön. SO EIN BISSCHEN BEGRENZTHEIT HAT SCHON WAS. Immer schneller, höher, besser ist nämlich auf Dauer wahnsinnig anstrengend.

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